Fassaden
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Fassaden – erstes Kapitel
Beim Wort „Fassade“ denken wir an die Aussenseite
eines Gebäudes, im Allgemeinen an die Hauptseite. Dieser vordere Teil soll die
gesamte Konstruktion repräsentieren, einfach darstellen, wie eine Visitenkarte.
Diese Aussage impliziert, dass die Fassade auch nur eine Fassade sein kann;
d.h. sie steht vor der wahren Realität, deren Darstellung vielleicht nicht so
schön ist. Wenn in einem Gebäude Geschäfte, Boutiquen oder andere Verkaufslokale
untergebracht sind, gibt es dort auch Schaufenster und die Schaufenster sind
die Fassaden der Geschäfte. Mit anderen Worten: Ein Schaufenster in einer
Fassade ist eine Fassade innerhalb einer Fassade.
In der folgenden Fotogalerie finden wir einige
Fotos von Fassaden bzw. Fassadenfragmenten aus verschiedenen Epochen. Die
fotografierten Gebäude befinden sich wesentlich in Lissabon, Athen und
Thessaloniki und entsprechen Wohnhäuser, Museen, Verwaltungsgebäude, Tempel und
Kirchen.
Fassaden – zweites Kapitel
Fassaden sind auch zu Trägern für die
offizielle oder inoffizielle Kommunikationen visueller oder textlicher Inhalte
geworden. Diese können ideologische Schlagworte, Zeichnungen, Gedenktafeln oder
anderes sein.
Wenn also ein Künstler im Laufe seines Lebens
grosse Schwierigkeiten hat, die ihn oft wegen unbezahlter Mieten zum Umzug
zwingen, bietet er der Verwaltung die Möglichkeit, sich als Vertreter einer
wichtigen Kulturnation zu behaupten. Nach seinem Tod finden wir an jedem Ort
Gedenktafeln wie „Hier lebte Mümmelmann“. Natürlich ist künstlerische
Anerkennung nicht garantiert und: ohne Anerkennung keine Plakette.
Urban Art bzw. Street Art ist auch an Fassaden
präsent, ihr Status ist jedoch nicht so klar. An Schulen oder
Verwaltungsgebäuden findet man Sprühfarbenbilder mit behördlicher Genehmigung,
aber auch heimliche Arbeiten, die mehr oder weniger geduldet werden. Der
„Zürcher Sprayer“ der 1970er Jahre war für die Verwaltung zuerst ein Anarchist
und erst später ein anerkannter Künstler. Und wie ist es mit Banksy?
Was mich betrifft, ich finde es schwierig, in
vielen Tags eine künstlerische Motivation zu erkennen, sie erinnern mich eher
an Katzen, die ihr Revier markieren, indem sie hier und dort pinkeln. Aber
verallgemeinern wir nicht, auch politische Botschaften sind vorhanden, in
diesem Fall scheint eine gewisse politische Marginalität (von rechts oder
links) erforderlich zu sein. Diesbezüglich verteilen neue Medien wie XY, TikTok
etc. die Karten neu: Fanatismus und Radikalismus (wieder von rechts oder links)
finden ein Publikum, das weit über das der Fassaden hinausgeht. Schlimmer noch:
die Botschaften werden akzeptabel.
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